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2021-09-22

Cell cultured protein: Das Interesse der Big Player an der Fleischalternative aus dem Labor

Fleischalternativen sind gefragt. Bisher können Konsumenten sie vor allem in Form von pflanzlichen Alternativen kaufen. Doch gerade in den letzten drei Jahren sind viele Start-ups im Bereich der molekularen Proteinerzeugung entstanden. Mit Hilfe von Stammzellen aus Tieren werden in Inkubatoren Zellen gezüchtet, die dann einen Hamburger, einen Fisch, Milch oder ein Proteinpulver ergeben.

Viele große Unternehmen wie die PHW Gruppe, Tyson Food oder Merck haben sich bereits an den Start-ups der Szene beteiligt. Seit der Zulassung von zeltkultivierten Hühnchen in Singapur, Ende 2020, haben aber auch die großen Lebensmittelkonzerne Interesse gezeigt. Nestlé und Nomad Foods z.B. kooperieren seit kurzem mit Start-ups, um Rezepturen für ihre Kunden zu entwickeln. 

Zusammen mit dem israelischen Start-up „Future Meat Technologies“ forschen Mitarbeiter von Nestlé in Lausanne an Clean Meat mit dem Ziel, das Produkt im Hinblick auf Geschmack und Nachhaltigkeit zu optimieren. Der Schweizer Konzern möchte laut dem Chef des Nestlé Institute of Material Sciences, Reinhard Behringer, tierfreundliche und nachhaltige Alternativen zu Fleisch zu finden.

Nomad Foods, Europas führendes Tiefkühlkostunternehmen und Mutterkonzern von iglo, kooperiert mit BlueNalu, das eine Vielzahl von Fisch und Meeresfrüchten direkt aus Fischzellen entwickelt. Die beiden möchten zellkultivierte Fische und Meeresfrüchte in Europa einführen. Dies kommt genau zur richtigen Zeit, denn EU-Bürger konsumieren derzeit mehr als dreimal so viel Seafood, wie sie produzieren.

Das die Big Player nun in das Geschäft um Clean Meat einsteigen, ist kein Wunder, denn die Investitionen in diesem Bereich steigen stetig an. Allein von 2019 bis 2020 versechsfachten sie sich auf 360 Millionen US-Dollar.

Das Global Food Institut (GFI) weist darauf hin, dass im Jahr 2020 23 neue Unternehmen für kultiviertes Fleisch auf den Markt gekommen sind, was einer Gesamtzahl von 76 Unternehmen weltweit entspricht - ein Anstieg von 43 Prozent gegenüber 2019. 

Können wir also bald auch Clean Meat kaufen? In der EU könnte das noch dauern. Zwar regelt bereits seit 2018 eine EU-Verordnung die Zulassung von zellbasiertem Fleisch, der Prozess dauert jedoch immer noch 18 bis 24 Monate. 

Auch wir werden uns auf der Berlin Science Week am 5. November verstärkt diesem Thema widmen und haben Alexander Antonoff von Nestlé angefragt, einen Vortrag dazu in unserer Session 3, A SCHNITZEL IS JUST A STRING OF MOLECULES, zu halten.

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