Drei Impulse für die Bioökonomie der Zukunft – Global Food Summit bei der 30. ICABR-Konferenz in Ravello

Global Food Summit bei der 30. ICABR-Konferenz in Ravello 

Wie können Innovationen die Bioökonomie stärken, Ernährungssysteme widerstandsfähiger machen und zugleich den Herausforderungen des Klimawandels begegnen? Mit diesen Fragen befasste sich die 30. Jahreskonferenz des International Consortium on Applied Bioeconomy Research (ICABR), die vom 7. bis 10. Juli 2026 in Ravello, Italien, stattfand. Der Global Food Summit war durch Stephan Becker-Sonnenschein als Teilnehmer und Vortragenden vertreten. 

Unter dem Leitthema „The Bioeconomy Transformation in Transition: Past Successes, Current Challenges, and Future Prospects“ diskutierten Wissenschaft, Wirtschaft und internationale Organisationen über bisherige Erfolge, aktuelle Hemmnisse und künftige Perspektiven der Bioökonomie. Drei im Nachgang veröffentlichte Kommuniqués bündeln zentrale Ergebnisse der Konferenz. Sie stehen ab sofort auf der Website des Global Food Summit zum Download bereit. 

Innovation braucht ein funktionierendes Umfeld 

Das erste Kommuniqué stellt die Bedeutung von Innovation für die Weiterentwicklung der Bioökonomie in den Mittelpunkt. Neue Technologien können Erträge steigern, Ressourcen schonen und die Effizienz von Produktionsprozessen verbessern. Doch zwischen einer technologischen Entwicklung und ihrer breiten Anwendung liegen häufig viele Jahre. Gerade im Agrar- und Ernährungssektor können lange Zulassungsverfahren, fehlende Marktakzeptanz, unklare Absatzperspektiven oder schwer überschaubare Patentlagen Investitionen und Einführung erheblich bremsen. 

Das Papier plädiert deshalb für Innovationssysteme, die nicht bei Forschung und Marktreife enden. Auch Wissenstransfer, verlässliche Absatzmärkte und Unterstützung bei der praktischen Anwendung gehören dazu. Universitäten können hierbei eine wichtige Brückenfunktion zwischen Forschung, Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen. Zugleich eröffnen Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Robotik und genomische Datenbanken neue Partnerschaften und können etwa die Pflanzenzüchtung deutlich beschleunigen. 

Investitionen, Regulierung und Handel zusammendenken 

Das zweite Kommuniqué richtet den Blick auf drei eng miteinander verbundene Voraussetzungen erfolgreicher Innovation: Investitionen in Forschung und Entwicklung, effiziente und risikogerechte Regulierung sowie möglichst offene Handelswege. Sinkende öffentliche Forschungsbudgets und ein Rückgang internationaler Zusammenarbeit treffen insbesondere Regionen, in denen Hunger und Ernährungsunsicherheit wieder zunehmen. Umso wichtiger werden neue Kooperationen zwischen öffentlicher Forschung, Unternehmen, Hochschulen und philanthropischen Organisationen. 

Zugleich warnt das Papier vor regulatorischen Doppelprüfungen und mangelnder internationaler Harmonisierung. Wenn vergleichbare Produkte in verschiedenen Staaten nach stark unterschiedlichen Verfahren bewertet werden, steigen Kosten und Unsicherheit, während gesellschaftlicher Nutzen später eintritt. Handelsbarrieren verschärfen dieses Problem: Fehlt die Gewissheit, dass innovative Agrarprodukte international akzeptiert werden, sinkt die Bereitschaft von Landwirten und Unternehmen, neue Verfahren einzusetzen. Investition, Regulierung und Handel sollten daher nicht isoliert, sondern als gemeinsame Innovationsinfrastruktur verstanden werden. 

Resiliente Ernährungssysteme in einem veränderten Klima 

Das dritte Kommuniqué widmet sich der Widerstandsfähigkeit der Ernährungssysteme. Steigende Bevölkerungszahlen, Urbanisierung, Klimaveränderungen und geopolitische Konflikte erhöhen den Druck auf Produktion, Lieferketten und Preise. Die zentrale Herausforderung besteht darin, drei Ziele miteinander zu verbinden: ausreichend sichere und nährstoffreiche Lebensmittel bereitzustellen, Umwelt- und Klimabelastungen zu verringern und tragfähige Einkommen für Landwirte zu sichern. 

Als wichtige Ansatzpunkte nennt das Papier kürzere Lieferketten, den Ausbau von Kühl- und Lagerkapazitäten, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Formalisierung informeller Märkte. Besonderes Augenmerk gilt dem Globalen Süden. Dort fehlen vielerorts Kapital, Infrastruktur und Zugang zu neuen Technologien, obwohl die Landwirtschaft einen erheblichen Teil der Wirtschaftsleistung trägt. Internationale Institutionen und Universitäten können den Aufbau belastbarer Forschungs-, Finanzierungs- und Kommunikationsstrukturen unterstützen. 

Die gemeinsame Botschaft 

Alle drei Kommuniqués machen deutlich: Die Transformation der Agrar- und Ernährungswirtschaft ist nicht allein eine technologische Aufgabe. Innovation entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn Forschung, Regulierung, Finanzierung, Märkte und gesellschaftliche Kommunikation ineinandergreifen. Gerade bei kontrovers diskutierten Technologien braucht es nachvollziehbare Risikobewertungen, transparente Kommunikation und einen offenen Dialog über Nutzen, Grenzen und mögliche Zielkonflikte. 

Für den Global Food Summit bestätigt die Konferenz damit einen zentralen Arbeitsauftrag: Zukunftstechnologien müssen fachübergreifend diskutiert und in ihren wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen bewertet werden. Die drei ICABR-Kommuniqués liefern dafür kompakte Impulse und laden zur weiteren Debatte ein.

https://icabr.net/conferences/2026-icabr-conference/  

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