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2021-11-01

Weniger Verkehr und Abfall durch Smart Cities in Ägypten

Neben Lagos ist Kairo die größte Metropole Afrikas und das Tor in den Nahen-Osten. Zahlreiche Wirtschaftsorganisationen und global tätige Unternehmen haben hier ihren Sitz. Im Zentrum leben rund 15.000 Menschen auf je einem Quadratkilometer - und die Stadt wächst weiter. Das schnelle Wachstum der Stadt hinterlässt dabei seine Spuren: ständiges Verkehrschaos, dicht besiedelte Slums, wachsende „Garbage Cities“ auf Kairos Müllbergen und eine starke Umweltverschmutzung bestimmen das Stadtbild.

Um den Verkehr und das Zentrum zu entlasten, entsteht im Osten der Stadt nun die „Capital of the Future“. Durch diese neue „Smart City“ sollen die insgesamt 26 Verwaltungsbezirke von Kairo entlastet werden. Alle Ministerien, staatliche Institutionen, Einkaufszentren sollen künftig in diese neue Stadt umziehen, die zugleich Sitz der Verwaltung wird. Durch diese Verlagerung sollen Transportwege verkürzt, Pendelstrecken reduziert und vor allem die Umweltverschmutzung reduziert werden.

Die ägyptische Regierung spricht bereits von der „Geburt eines neuen Staates“, und die Pläne hierzu sind sehr hoch gesteckt: im Gegensatz zum engen aber historischen Stadtkern Kairos ist viel grüner Erholungsraum in der neuen Stadt geplant, gewässert durch gereinigtes Abwasser, das durch einen künstliche kleinen Fluß, den Green River, fließt. Die neue Grünfläche soll zweimal so groß werden wie der Central Park in News York. Die Stadt soll durch einen umfassende Digitalisierung von Smog befreit werden, der im alten Zentrum Kairos an den Baudenkmälern nagt und sich auf jedes Fenster legt. Im Gegensatz zu den instabilen Internetverbindungen in Kairo, könnten die Bewohner hier WLAN im gesamten Stadtgebiet nutzen sowie Smart Cards und Apps, um sich Zutritt zu Gebäuden zu verschaffen oder Zahlungen zu tätigen. Mithilfe einer Verwaltungs-App können Anwohner ihre Rechnungen bezahlen, Serviceleistungen buchen und Probleme im Stadtgebiet melden. Insgesamt soll dadurch weniger Verkehr und weniger Müll entstehen, da die Bewohner ihr Konsum- und Fahrverhalten durch die App besser im Blick haben. 

Ganz neu ist die Idee nicht, sie existierte bereits unter dem Vorgänger-Regime Mubarak. Allerdings fehlt den Ägyptern das eigene Geld für ihre Zukunfts-Pläne, deshalb bauen jetzt die Chinesen im Verbund mit dem ägyptischen Militär. 

Im Rahmen dieses „Flagship-Projekts“ sollen landesweit 14 Smart Cities entstehen. Da Ägypten eines der am schnellsten wachsenden Länder der Welt ist, muss das Bevölkerungswachstum aufgefangen werden, denn bis 2050, so die Vorhersagen, werden in Kairo rund 40 Mio. Einwohner leben. Allerdings zweifeln Städteplaner die Nachhaltigkeit der neuen Stadt-Projekte an. Denn statt dringend benötigten Wohnraum entstehen zunächst Verwaltungsgebäude - vorwiegend für das Militär.