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2021-09-30

Die Zukunft der Ernährung - Zwischen Wunsch und Wirklichkeit - Digitalisierung in der Lebensmittelbranche

In etwa zehn Jahren werden rund 80 Prozent unserer Lebensmittel in Städten konsumiert. Das verlangt nach ganz neuen Lösungen in der verbrauchernahen Produktion, in der Logistik, aber auch in der Neubestimmung bekannter Begriffe, wie zum Beispiel „regionale Produktion“ oder „ökologischer Anbau“. Und es stellt uns vor Herausforderungen in der Abfallbeseitigung. 

Durch urbanes „Vertical Farming“ beispielsweise, lassen sich auch exotischen Früchte wie Papayas oder Guaven auf der Schwäbischen Alb züchten, vollkommen ökologisch und verbrauchernah. Ist das dann zukünftig das neue Regional? Wir lösen uns mit dieser Anbaumethode mitten in der Stadt von der Abhängigkeit globaler Zulieferer, und sind Wettereinbrüchen und Jahreszeiten nicht mehr ausgeliefert. Auch der Wasserverbrauch und der CO2 Fußabdruck überzeugen beim Vertical Farming. Nur der Energieverbrauch  ist noch sehr hoch. Wird auch dieses Problem gelöst, dann kann kein bisheriger landwirtschaftliche Anbau in Bezug auf Nachhaltigkeit und ökologischem Anbau mithalten. 

Am 14.09.2021 hat Stephan Becker-Sonnenschein diese neuen Entwicklungen der Lebensmittelinnovationen beim Fachsymposium für Systemgastronomen der K&P Consulting GmbH in Düsseldorf vorgestellt. Vieles klingt noch wie Zukunftsmusik, ist aber heute bereits umgesetzt, wie beispielsweise die schwimmenden Kuhställe mit eingebauter Gülleverwertung, Gewächskühlschränke für die heimische Küche, oder Fleisch aus dem 3D-Drucker sowie biometrisch optimiertem Sushi. 

Wird diese Innovationspalette durch zellbasierte Lebensmittel angereichert, also durch Clean Meat, bieten sich weitreichende Möglichkeiten unsere Nahrungsmittel individuell und genau nach unseren Bedürfnissen herzustellen. In Japan gibt es bereits Restaurants in denen Gäste vor ihrem Restaurantbesuch ein DNA-Kit erhalten. Die Ergebnisse der DNA-Untersuchung werden direkt bei Reservierung an die Küche übermittelt. Mithilfe von 3D-Druckern und Lasertechnologien entstehen so schließlich individuelle, auf die jeweilige DNA abgestimmte Nahrungsmittel. Diese Art von DNA-basierter Ernährung ist sogar dem demographischen Wandel gewachsen: notwendige Nährstoffe und auch Medikamente können künftig über Food Designs zugeführt werden, sodass neue, bessere Formen altersgerechter Ernährung entstehen. Es könnten auch Eigenschaften wie eine verbesserte Kaubarkeit berücksichtigt werden, ohne dass die Gerichte an Form, Geschmack und Ästhetik verlieren.

Die Lebensmittelabfälle, die sowohl bei der Produktion, als auch beim Konsum der Lebensmittel entstehen, können wiederum zur Gewinnung von knappen Rohmaterialien wie Phosphor oder  Energie verwendet werden, sodass geschlossene Kreisläufe entstehen. Die Stadt wird so zum nachhaltigen Ökosystem. 

In Deutschland allerdings hinkt man deren Innovationen hinterher. In der aktuelle Statistik des Global Innovation Index, liegt Deutschland bei der Innovationsfähigkeit deutlich hinter anderen Industrienationen zurück, wie der Schweiz (Platz 1), Schweden (Platz 2) und den USA (Platz 3). Dabei könnten diese ressourcenschonenden und verbrauchernahen Innovationen dem Klimawandel entgegenwirken und die langfristige Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung sichern.

Bild: K&P Unternehmensgruppe/Annika Betham